Vice versa die Zweite

Elf TeilnehmerInnen, fünfeinhalb in die eine, fünfeinhalb in die andere Sprachrichtung, dazu zwei Leiterinnen, gehen in Klausur: Hinterm Berg, vor dem das Adriatische Meer und die Insel mit dem für Deutsche meist unaussprechlichen Namen Krk liegen, in einem kleinen Dorf mit einem kleinen Hotel, das schon viele literarische Abende erlebte, zu denen fast alle AutorInnen eingeladen waren, die in Kroatien, Bosnien-Herzegowina oder Serbien einen Namen haben, einem Hotel, dessen Inhaberin die Literaturszene von Ex-Jugoslawien seit vielen Jahren engagiert verfolgt, selbst Literaturübersetzerin ist und am Workshop teilnahm; also dort, wo sich Schakal und Eidechse Gute Nacht sagen, da fand die zweite Vice-versa-Werkstatt Bosnisch-Kroatisch-Serbisch <> Deutsch statt, diesmal mit einem ganzen Tag bzw. drei mal zwei Stunden Arbeit an Lyrik, Texten mit jeder Menge Tempo für aktuelle Fieberkurven der Gesellschaft und all der Zeit, ohne die sich Schlüsselerlebnisse historischer Figuren auf Reisen nicht entwickeln können, mit Atempausen für kleine Fingerübungen, tiefem Luftholen vorm Schäfchenzählen und einem Kribbeln in der Nase vom Staub auf antiquarischen Flohmarktbüchern …

Wann immer es ging, wurde draußen gearbeitet, ging aber nicht immer. Foto: Luka Godec

… und dergleichen mehr. Selbst wenn alle frei hatten, drehte sich das Gespräch fast nur um Literatur und Übersetzen. O-Ton einer Teilnehmerin: „Das geht sonst nie, selbst meine Freunde verlieren nach spätestens einer Stunde das Interesse.“ Hard Core also, aber Labsal für alle, die sich in diesem einsamen Job nach Austausch sehnen. Helen Sinković und ich denken die nächste Werkstatt für Ende Juli 2021 an, aber bis dahin fegt sicher noch so manche Bora von den Karstbergen hinab ins Meer.

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