Letzte Gefühlswerte

Wie die Bibel in Basic English, schrieb Lion Feuchtwanger unter Punkt III in „Arbeitsprobleme des Schriftstellers im Exil“, wirke oft genug der übersetzte Satz im Vergleich zum Original. Er, der den Aufsatz im Exil schrieb, vermisste in Übersetzungen den Duft und mochte ihnen bloß Richtigkeit konzedieren, um den Preis, dass „unseren“, also der Exilschriftsteller Texte jedes Lebens ausgetrieben sei.
Dabei sagte er einen Absatz vorher selbst, man könne wohl lernen, sich in einer anderen als der Muttersprache auszudrücken, allein „die letzten Gefühlswerte des fremden Tonfalls lernen kann man nicht“. Eben. Das betrifft nicht nur das Sich-in-der-Fremdsprache-Ausdrücken, sondern auch das Verstehen.
Natürlich: Seine Bücher erreichten in seiner Sprache kaum mehr Leser, das Exil hatte ihm das Publikum geraubt, das seine geglückten, hart erkämpften Wendungen zu würdigen vermocht hätte. Und denen verdanke ich nicht zuletzt und in nicht unerheblichem Umfang den Feinschliff der Sprache, die in meine Übersetzungen einfließt.

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