Daša Drndić ist tot

In der Nacht zum 5. Juni starb Daša Drndić. Sie war eine Ausnahmeerscheinung, eine der wenigen Schriftstellerinnen, die sich in der patriarchalen Literaturszene Jugoslawiens durchsetzten, eine der wenigen, die international gelesen wird, die, ihrerseits polyglott, unglaublich belesen, bestens informiert, unbestechlich, kämpferisch war, harsch. Sie hat sich Themen gestellt, die wehtun: den Verbrechen des Faschismus, dem Zerfall ihres Heimatlandes, den Zerstörungen der Nachkriegszeiten, den Schmerzen, die Menschen einander weniger aus Niedertracht denn aus Unvermögen zufügen, dem Sterben. Etwas beschönigen, das konnte sie nicht, wollte es nicht, Schönes sehen, wiedergeben, beschreiben, genießen, das ja, aber das Hässliche, Böse, unfassbar Schlimme, das brachte sie mit schneidender Härte so aufs Papier, wie es ist. Sie fasste das Unfassbare in Literatur. Ein Nachkriegskind, Jahrgang 1946, viel unterwegs, oft im Ausland, Studium in Belgrad, Illinois und Rijeka, Promotion, Lehrtätigkeit, Autorin von Hörspielen und Features fürs Radio, sie kannte, worüber sie schrieb, setzte sich in Archive und recherchierte, trug umfangreiches Material zusammen. Ihre Bücher sind eine Mischung aus Dokumentation und Fiktion, teils Anklage, teils zärtliche Anverwandlung, in jedem Fall mahnendes Erinnern an das, was nie vergessen werden darf.

Und sie darf auch nicht vergessen werden.

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