Ruta Tannenbaum

So heißt die Titelheldin des nächsten Übersetzungsprojekts auf meinem Schreibtisch, das 2019 bei Schöffling & Co. erscheinen soll, ein älterer Roman von Miljenko Jergović, der sich mit dem Schicksal der Juden in Zagreb zu Zeiten des NDH beschäftigt und in Kroatien heiß diskutiert, zum Teil wohl auch ziemlich fies diffamiert wurde – bis hin zu dem Anwurf, er sei antisemitisch. Ich habe die Diskussion nicht verfolgt, insofern weiß ich nicht, welche meiner Mutmaßungen zu den Ursachen solcher Totschlagargumente zutrifft, aber antisemitisch ist dieses Buch auf keinen Fall. Jergović schont allerdings auch nichts und niemanden, Opfer sind bei ihm nicht, bloß weil sie Opfer sind, automatisch die besseren Menschen.

Das Buch erschien ursprünglich 2006 bei Durieux in Zagreb; ich werde nach der 4. Auflage übersetzen, Belgrad 2012: Seit 2007 hält der dortige Rende-Verlag zusammen mit dem Autor die Rechte.

Ruta Tannenbaum wurde 2006 mit dem Meša-Selimović-Preis ausgezeichnet, bereits ins Englische, Französische, Makedonische, Polnische, Slowenische, Spanische, Ukrainische und Ungarische übersetzt und ist im deutschen Sprachraum eigentlich überfällig – schon wegen der Figur, die den Autor zu seinem Roman anregte, der „kroatischen Shirley Temple“ >Lea Deutsch. Eigentlich, schreibt Jergović in seinem Nachwort, hätte er lange den Wunsch gehabt, deren Biografie zu schreiben, sei aber an Mauern des Schweigens gestoßen. Und da er ihre Geschichte nicht fiktionalisieren wollte, schreibt er, hätte er das Personal für seinen Roman erfunden.

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