Krötenkacke und Hexenjagd

Gestern Abend wieder >Übersetzertreff in Moabit, in der Spitze saßen neun Personen am langen Tisch, vier zum zweiten, fünf zum ersten Mal, und auch ohne Programm dreht sich das Gespräch nicht nur, aber immer wieder um übersetzerische Fragen, inhaltliche, berufspolitische, verbandsinterne, steuerrechtliche, weiß der Teufel welche Fragen. Gestern sprachen wir unter anderem über Fehler, die wir erst nach Drucklegung als solche erkannten, und Kinderbücher: das Englische toadstool heißt einfach nur Giftpilz, liegt aber verführerisch nah an Kröte (toad) und Stuhl (stool), der im Englischen dieselbe Doppelbedeutung von Sitzmöbel und Stuhlgang hat und, schwups, sind wir bei der Krötenkacke, die – wenn mans recht überlegt – Reminiszensen an die eigenen Kinderbücher weckt. Leider konnte sich keine mehr erinnern, ob’s übersetzte Kinderbücher waren …

Der Witz bei so einer Verwechslung ist natürlich, dass sie überhaupt nicht stört, sondern wunderbar in den Kontext passt (Zauberlehrling etc.), denn wenn es anders wäre, würde es einem nicht passieren. Vielleicht könnten biologisch vorgebildete Leser drüber stolpern, keine der Anwesenden wusste, wie Kröten kacken und ob man das überhaupt sammeln, trocknen, zermörsern und zu Zauberpulvern verarbeiten kann.

Das „keine“ ist übrigens ein generisches Femininum, das Geschlechterverhältnis am Tisch war ausgewogen, und eine der seltsamen Begleiterscheinungen der Genderdebatte (die ließ uns offenbar keine Ruhe) ist, das exakt das zum Thema wird, was eigentlich durch die Debatte überwunden werden soll – dass nämlich der Unterschied zwischen Mann und Frau hinsichtlich der beruflichen Chancen und gesellschaftlichen Akzeptanz etc. verschwindet. Aus dem Grund plädieren einige dafür, sich auf die männliche Form zu beschränken und die Geschlechterfrage nicht dadurch aufzuladen, dass ständig und immer das Suffix für Feminin dranmuss.

Ein Gesprächsthema noch kurz angerissen, für das mir der Abend gestern wichtig ist: Immer wieder die Ausgrenzung über Worte, die „man“ nicht sagt, dieses riesige, unübersichtliche Feld der political correctness. Was man sagen darf und was nicht, ist auch und vielleicht sogar in erster Linie eine Frage der Gruppenzugehörigkeit, des Selbstverständnisses, welchem Lager man sich zurechnet. Der Grad zur Ausgrenzung legitimer Fragen ist schmal, die Hexenjagd nie weit, und gut gemeinte Sprachregelungen werden zum blinden Fleck, wenn sie nicht ihrerseits diskutiert werden können, ohne dass der oder die, der daran zu kratzen wagt, ins Abseits gestellt wird. Dann wird die gutgemeinte Sprachregelung eine überhaupt nicht subtile Form der Zensur, wir haben sie viel zu oft auch hierzulande, für mich gehört etwa die Entfernung des Gomringer-Gedichts Avenidas von der Salomon-Hochschule in Berlin-Hellersdorf dazu. Auch werden Stimmen laut, aus den Museen Gemälde zu entfernen, die sexuelle Übergriffe auf Frauen zum Thema haben, Raub der Sabinerinnen etc. Das ist ein anderes Feld und trotzdem dasselbe in Grün: Anfänge, derer ich mich wehren will!

Das nächste Moabiter Übersetzertreffen wird am Mittwoch, den 28. Februar 2018, ab 19:30 im Kowski, Wilhelsmhavener Str. 4, 10551 Berlin sein.

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