Im Moment noch

Früher lag zwischen Kaiserlai- und Carl-Ulrich-Brücke der Offenbacher Hafen, da kam nur rein, wer dort arbeitete. Dort wird immer noch Koks fürs Heizkraftwerk angelandet, im Übrigen vertäuen Freizeitkapitäne ihre Boote an neuen Anlegestellen. Direkt hinterm Kaiserlai heute wie früher die Wiking, ein Ruderverein, auf dem Gelände inzwischen zusätzlich ein (hab ich mir sagen lassen) deutschlandweit bekannter Musik-Klub, ein paar Schritte weiter dann ein herrlich lockerer Ort zum Chillen und Drinnen- oder Draußensitzen oder aufm Rasen liegen, mit und ohne Kinder, mit kleiner Bühne für Konzerte, und auf dem Main gleiten Frachtschiffe vorbei. Ein Radweg, der im Moment noch mit jeder Bauphase verlegt wird, ein Radweg mit Rush-hour, weil ihn viele nutzen, die in Frankfurt arbeiten, autofrei, keine Ampeln, kein Querverkehr, immer am Ufer lang, unter den Brücken durch.

Schafe open air im Hafen 2, Kneipe, Spielplatz und Freiluftkino am Main
Wohnen am Wasser: Die Laufkatze ist nicht Deko, sondern entlädt den Koks fürs Kraftwerk.

Auf der Hafeninsel und zwischen Nordring und Hafenbecken entsteht ein Wohngebiet, eine Promenade führt am Wasser entlang, die Restaurants sind jetzt schon am Wochenende ausgebucht, der im Moment noch ziemlich scheußliche Nordring soll mit Grünstreifen und Bäumen eine attraktive Verbindung zur im Moment noch unbebauten Industriebrache werden: Schön, was ich so während eines sehr ausgedehnten Spaziergangs mit einer alten Schulfreundin entdecke und erfahre. Schön, dass sich mein Geburtsort die Asche aus den Kleidern klopft. Irgendwann wird das neue Selbstbewusstsein auf die Innenstadt durchschlagen.

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