Eingeplackt

Inzwischen bin ich offenbar soweit sensibilisiert für meinen Heimatdialekt, dass ich bei bestimmten Worten Verdacht schöpfe und erst mal nachschaue. Und zwar unter anderem dann, wenn ich nicht genau weiß, wie man es schreibt, wenn ich kein Schriftbild vor Augen habe, das habe ich bei hochsprachlichen Wörter fast immer, wobei es leider nicht immer mit der Version im Duden übereinstimmt, aber egal.

In Jergovićs 1000-Seiten-Wälzer Rod, der mich noch eine Weile beschäftigt, geht es unter anderem um das Problem der Zugereisten, um Menschen, die in der x-ten Generation in Bosnien leben, aber immer noch als Ausländer gelten, als Menschen, die aus dem Koffer leben, selbst wenn sie Haus und Hof erworben und das Land nie länger als für einen Urlaub oder eine Kriegsgefangenschaft verlassen haben. Und dafür hätte ich gern das Wort Eingeplackte benutzt, was nicht geht, weil es Hessisch und, schlagender kann ein K.o.-Kriterium kaum sein, fast nur im Frankfurter Raum bekannt ist. Es würde den Kreis derer, die es verstehen, doch arg einschränken.

Was ich sehr schade finde, weil das frankfurterische Wort etwas Eingemeindendes hat, einheimisch und eingeplackt haben dasselbe Präfix und sind schon dadurch zusammengehörig, eingeplackt hängt, wenn meine aus dem Netz bezogene Info stimmt, mit Placken zusammen, also dem Flicken, der Eingeplackte wird sozusagen angeflickt, ist ein Flicken auf den Rissen und Löchern zwischen den Alteingesessenen. Es ist ganz bestimmt überinterpretiert, trotzdem: Für mich entsteht das Bild, dass die Zugewanderten die Gesellschaft zusammenhalten.

Schade, wirklich schade, dass Dialektausdrücke beim Übersetzen weitgehend tabu sind.

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